Die Schwitzpackung

Dr. med. E. Rauch, Naturheilbehandlung der Erkältungs- und Infektionskrankheiten

ISBN 3-7760-1004-5

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Hausärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Weyer

Die Schwitzpackung erfolgt am besten im Anschluss an das Bürstenhalbbad und in jedem Fall nach Darm- und Blasenentleerung.
Es ist zweckmäßig, wenn man schon vor dem Bade folgende Vorbereitung trifft:


Auf das Bett werden zwei Wolldecken quer gelegt. Darauf breitet man längs ein trockenes Flanelltuch (3), und zwar so, dass es auch den Kopf des Patienten einhüllen kann. Darüber kommt ein trockenes Leinentuch (4), das luftdurchlässig und nicht appretiert ist. Es soll von den Achseln des Patienten bis über die Füße reichen und hat die ausgedunsteten und ausgeschwitzten Krankheitsstoffe aufzusaugen.
Schwitztee: Der vom Bürstenhalbbad kommende abgetrocknete Kranke erhält 1—2 Tassen heißen Lindenblüten-, Flieder- oder sonstigen Schwitztee mit 1—2 Teelöffel Honig und Zitronen- oder Orangensaft rasch zu trinken. Notfalls ist auch heißes Wasser mit denselben Zutaten zu verwenden. Der heiße Tee fördert Eintritt und Menge des Schweißes. Auch während des Schwitzens kann mehrfach, je nach Erfordernis, getrunken werden, damit die Schweißbäche besonders reichlich fließen.


Schwitz- oder Trockenpackung: Der Kranke legt sich auf das Leinentuch und wird mit, diesem von den Füßen bis zur Achselgegend eng eingehüllt. Sodann werden die Arme angelegt, der Kranke mit dem Flanelltuch bis über den Kopf und dann mit den Wolldecken eng umwickelt und bei Bedarf noch weiter bedeckt. Zur Wirkungssteigerung können, allerdings schon vorher, heiße Wärmeflaschen auf den Bauch oder an die Füße und Seiten des Patienten angelegt werden, wozu sich auch Wasserflaschen, gefüllt mit heißem Wasser, eignen.


Zimmerlüftung

Nach der Einpackung werden die Fenster geöffnet und bleiben offen. Nur im kältesten Winter beschränkt man sich auf gutes Durchlüften. Zugluft darf nicht entstehen. Der Schwitzende braucht für die inneren Verbrennungsvorgänge sauerstoffreiche Frischluft.


Schwitzdauer

Sie beträgt 1—2 Stunden. Nur wenn das Schwitzen angenehm und nicht belastend empfunden wird, ist es bis zwei Stunden auszudehnen. Schläft aber der Patient in der Packung ein, dann soll er nicht geweckt werden, auch wenn die vor gesehene Zeit überschritten wurde.

Abschluss: Das Schwitzen wird beendet...

  1. durch rasches Abwaschen des ganzen Körpers mit Wasser von 20—25° C. Abgehärtete Personen können sich in einer mit frischem Leitungswasser gefüllten Wanne kurz zur Gänze ein tauchen. (Schon PRIESSNITZ bewies, dass es völlig gefahrlos ist, wenn der aus der Ruhe kommende schwitzende Körper ganz in eiskaltes Wasser gerät. Die Verbindung der schwitzenden Haut mit kaltem Wasser war eines der Geheimnisse der fast unglaublichen Erfolge dieses Heilers. Schwitzen allein wäre zu wenig gewesen, kaltes Wasser allein ebenso. Kaltes Baden des schwitzenden Menschen jedoch, gar mehrfach wiederholt, das musste nahezu die »Halbtoten“ wieder zum Leben erwecken. Der Heilerfolg konnte kaum ausbleiben. Auch dem heutigen Saunabesucher ist die enorme Wirkung und Wohltat des Wechsels: Schwitzen — eiskalt Baden bekannt.) Sodann wird die Nässe mit flacher Hand abgestreift und ohne abzutrocknen ein trockenes Nachtgewand angezogen; der Patient legt sich in das gewechselte Bet; und dunstet angenehm nach.
  2. Oder: der Schwitzende trocknet sich gut ab oder wird abgetrocknet, zieht sich warme Wollsocken an und führt sogleich ein kühles Rumpfreibebad durch, was er jetzt als besonders erfrischende, kräftigende und wieder belebende Wohltat empfindet.

    Wiederholung: Solche Schwitzpackungen können alltäglich 1 (—2) mal vorgenommen werden, was besonders für schwitzfähige, kräftige Patienten zu empfehlen ist.


Wirkung
Die Haut wird oft als „Ablageplatz für Gifte“ und als „Grab der Mikroben“ bezeichnet. Während akuter Erkrankungen soll man die Haut daher immer wieder anregen, entschlacken und reinigen. Das Schwitzen mit nachfolgender Kaltwaschung erzeugt außerdem einen mächtigen Belebungsimpuls, einen umstimmenden Eingriff in die nervösen, hormonellen und humoralen Systeme; Schwitzen aktiviert die Reaktionsfähigkeit des Körpers, steigert die Abwehrkräfte und regt die Zirkulation an. Mit dem Schweiß werden Krankheitsstoffe ausgeschwemmt, wodurch ein intensiver Krankheits- und Schweißgeruch zustande kommt. Den Giftgehalt dieses Krankenschweißes beweist die Tatsache, dass eine geringe Menge davon, einem kleinen Säugetier eingespritzt, ausreicht, um dessen Tod herbeizuführen. Es gibt daher keine bessere Waffe, den Ausbruch einer akuten Infektionskrankheit zu verhindern oder zumindest ihre Kraft von vornherein zu brechen, als Darmreinigungen und Schwitzen zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Bei angeblich schwitzunfähigen Personen, weiters bei sehr geschwächten, erschöpften, kreislaufgeschädigten Kranken darf Schwitzen nur auf besonders schonende Art, durch die Serienwaschung nach Kneipp angestrebt werden.


Zusammenfassung
Im Anschluss an das Bürstenhalbbad, nach Darm- und Blasenentleerung, trinkt der abgetrocknete Patient schnell 1—2 Tassen heißen Schwitztee, legt sich auf das schon vorbereitete Bett und wird in Tücher und Decken so eingehüllt, dass fast nur mehr die Nase heraussieht. Das Zimmer wird gelüftet. Nach 1—2 Stunden erfolgt Kaltabwaschung mit feuchtem Nachdunsten oder Abtrocknen mit anschließendem Rumpfreibebad. Darmreinigen und Schwitzen sind die besten Waffen zur Verhütung und Heilung akuter Erkältungs- und Infektionskrankheiten.

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